点评:Auszieh-Operette im Salzkammergut
Das Lehár Festival Bad Ischl hat neben einer Neufassung von Suppès „Boccaccio“ mit „Gräfin Mariza“, einer Operette von Julius Brammer und Alfred Grünwald mit Musik von Emmerich Kálmán, einen großen Operettenklassiker auf die Bühne gestellt.
Wenn der Vorhang aufgeht, ist man gleich mit einem aktuellen Regietrend konfrontiert: Ein Kind erscheint als Alter Ego der Titelfigur. Dieses Motiv zieht sich durch das ganze Stück; auch die Familie des Kindes mit einer alkoholkranken Mutter erscheint immer wieder. Das funktioniert hier recht gut, erklärt mir aber nur sehr bedingt die Handlungsweise der Mariza. Das Lustige-Witwe-Prinzip, dass eine durch Erbschaft reich gewordene Frau immer grübelt, ob sie oder ihr Geld geliebt wird, steht vorn an.
Angela Schweiger verlegt die Handlung ins Heute. Elektronische Kommunikation einschließlich fehlender Mobilfunkanbindung taucht immer wieder auf. Das hätte an manchen Stellen etwas zurückhaltender behandelt werden können, ist aber an vielen Stellen logisch eingesetzt.
Ein weiteres Merkmal ist das bewusste Vermeiden des Z-Wortes. Dass dabei der Ersatz in „Komm, Zigan(y)“ zu einem eigentlich falsch betonten „Komm, Bruder“ wird – nein, nicht „Come on, Bro“ –, passt dazu, dass Daniel Pataky seinen ungarischen Akzent einsetzt und so das oft verballhornte Deutsch-Ungarisch hier wirklich natürlich wirkt.
Die „Lesen-aus-der-Hand“-Szene, die ebenfalls das Z-Klischee bedienen würde, kommt allerdings etwas unvermittelt, da Manja hier nicht entsprechend als Romni vorgeführt wird. Eva Schöler gibt sie als selbstbewusste junge Frau, die anpackt.
Auch die hier genannte Strauss-Operette „Der Schweinefürst“ ist in dessen Kanon nicht zu finden. Wer Böses unterstellt und die nicht genannte Bevölkerungsgruppe des ursprünglichen Titels mit dem jetzt verwendeten Wort gleichsetzt, findet nun eine Verschlimmbesserung. Gewollt? Unachtsamkeit? Es zeigt mir, dass das Auslöschen nicht mehr zu nutzender Begriffe – was ich im allgemeinen Umgang wichtig finde – auch nach hinten losgehen kann. Verschweigen ersetzt nicht die kritische Auseinandersetzung mit historischer Wirklichkeit.
Kommen wir zur Titelfigur. Die stimmlich und schauspielerisch hervorragende Bryony Dwyer zeigt eine Frau, die ihre Zerrissenheit zwischen Sehnsucht nach Liebe und Angst vor menschlicher Zurückweisung wunderbar zur Geltung bringt. Dass ihr anfangs gelebtes Leben nur eine Schutzmauer ist, zeigt sie sehr schnell.
Lukas Karzel als Alfred Grünwald – warum eigentlich nicht Julius Brammer? – bringt mit seinen temporeichen, sehr amüsanten Auftritten richtig Schwung in das Stück. Als arbeitsloser Operettensänger mit zu wenig Klickzahlen versucht er nach der Insta-Verlobung von Mariza, von deren Follower-Werten zu profitieren. Er schmeißt sich in eine Operetten-Husarenuniform – und los geht’s.
Im schönsten Operettenungarisch erzählt er, wie er beim Insta-Scrollen auf der gefliesten Örtlichkeit „seine“ Verlobung gefunden hat. Nachdem er das plastisch vorgeführt hatte – ich sagte ja: Auszieh-Operette – und die Hose wieder oben war, konnte er die traumhafte Bitte vortragen, Mariza möge ihn nach Varasdin begleiten. Oder zumindest ein Reel mit ihm drehen.
Nebenbei zünden die ersten Funken. Denn Mariza hat ihre „Freund*innen“ dabei. Die Damen interessieren sich für ihr Social Media – und nicht jeder Herr für eine Dame.
Eine der Freundinnen ist Lisa, die Schwester Tassilos. Der will ihr Studium finanzieren und verkauft deshalb angesichts der ererbten Schulden die verbliebenen Besitztümer. Außerdem hat er die zumindest in der Entstehungszeit gesellschaftlich niedrigere Tätigkeit eines Verwalters unter falschem Namen angenommen.
Zärtliche Funken hört man knistern. Aber unser Operettenschweinezüchter, in romantischen Gesten perfekt, nutzt diese zunächst vor allem, um mit Mariza seine Followerzahlen zu potenzieren. Lisa, dargestellt von Claudia Goebl, ist hier Doppeldoktorandin mit klarer Karriereperspektive. Als Verliebte wirkt sie allerdings etwas zu steif, als dass man an ein schnelles Happy End der beiden glauben möchte.
Fehlt noch unser Populescu (Martin Achrainer). Von sich selbst mehr als überzeugt, meint er, Mariza sei für ihn bestimmt. Und in der Nachtclubszene im Tabarin, wo eine 1920er-Party samt Burlesque-Tänzerin im Cocktailglas gefeiert wird, stellt er unter seinem Plüschmantel selbstbewusst den nackten Oberkörper ins Rampenlicht. Aber auch Zsupán – der diesmal nicht die Hosen herunterlässt – zieht sein Frackhemd aus.
Operette hat halt Erotik.
Aber es hilft nichts: Marizas Gefühle sind stark. Erst lässt das Ballett die oberen Hüllen fallen, dann landen Tassilo und Mariza auf der Auslegeware.
Populescu hackt Tassilos Obst-Notebook. Nicht die Firma wurde stark präsentiert; auch die Hafermilch war erstaunlich präsent – trotz Milchwirtschaft auf dem Gut. Unter den gesendeten Mails findet er eine, in der Tassilo sein Leid klagt und deutlich wird, dass er all das für Lisa tut.
Das bringt Mariza zwar vorübergehend zu neuen Zweifeln an der Männerwelt, Populescu selbst aber keinen Schritt weiter. Im Gegenteil: Mit einem sexuellen Übergriff auf Manja bringt er Mariza endgültig gegen sich auf. Toxische Männlichkeit führt halt nicht dazu, Frauen zu begeistern.
Jetzt fehlt nur noch die Dea ex machina. Sie erscheint in Gestalt der Tante Božena, gespielt von Petra Strasser, samt ihrem Butler Penižek (Georg Schubert). Die beiden legen einen grandiosen Slapstick-Auftritt hin. Ganz große Komik. Einfach brillant.
Leider ist er so groß, dass er die eigentliche Handlung zu lange unterbricht. Gerade weil dieser Auftritt so gut ist, stört seine Verselbstständigung den zuvor aufgebauten Spannungsbogen. Aber die Operette wäre keine Operette, wenn am Ende nicht doch zusammenkäme, was zusammengehört.
Musikalisch ist alles sehr gelungen. Marius Burkert bringt Orchester und Ensemble in die richtige Operettenstimmung. Stimmlich ist es vorzüglich, auch wenn ich öfter Schwierigkeiten mit der Textverständlichkeit hatte.
Klasse sind auch die Choreografien für Ballett und Ensemble. Evamaria Mayer lässt spannungsreich, temperamentvoll und passend zur Inszenierung tanzen.
Es ist eine tolle Inszenierung und trotz meiner kleinen Anmerkungen ein Meilenstein in meinen Mariza-Erfahrungen.
翻译:萨尔茨卡默古特的搬屋轻歌剧
巴特伊施尔的莱哈尔音乐节除了呈现苏佩的《薄伽丘》新版,以及由朱利叶斯·布拉默和阿尔弗雷德·格林瓦尔德编剧、埃梅里希·卡尔曼配乐的轻歌剧《玛丽萨伯爵夫人》外,还上演了一部经典的轻歌剧作品。
大幕拉开后,观众立刻会接触到当下一种流行的导演手法:一个孩子作为主角的替身登场。这一主题贯穿整部作品;酗酒的母亲以及孩子的家人也反复出现。这在作品中效果不错,但对我理解玛丽莎的行为方式帮助有限。所谓“富寡妇”的设定——因继承遗产而富有的女性总是纠结于自己或自己的钱财是否被人所爱——才是核心所在。
安吉拉·施魏格将故事背景设定在现代。电子通信问题,包括移动网络信号缺失,屡次被提及。虽然在某些地方可以处理得更谨慎些,但在很多地方这样的设定也是合乎逻辑的。
另一个特点就是有意避免使用那个以“Z”开头的词。而用“Komm, Zigan(y)”来替代它后,结果却变成了重音错误的“Komm, Bruder”——不,不是“Come on, Bro”——这也正符合其风格。丹尼尔·帕塔基运用了他的匈牙利口音,使得这种常被戏谑的德匈混合语在这里显得相当自然。
不过,同样旨在贴合Z世代刻板印象的“朗读场景”出现得有些突兀,因为剧中并未将玛雅恰当地塑造为罗姆人女性。埃娃·舍勒则将她刻画为一位自信且能独当一面的年轻女性。
此外,文中提到的施特劳斯歌剧《猪王》也并不在其作品名录之中。那些妄加揣测、将原标题中未提及的人群与现在使用的词汇等同起来的人,现在会发现情况变得更糟了。是故意为之?还是疏忽大意?这让我意识到:摒弃那些不再适用的术语——我认为这在日常交流中很重要——也可能产生反效果。刻意回避并不能取代对历史现实的批判性探讨。
接下来谈谈标题中的人物。嗓音与演技都极为出色的布里奥妮·德怀尔成功塑造了一位女性形象,将她对爱情的渴望与害怕被他人拒绝的矛盾心理表现得淋漓尽致。她很快便展现出,自己起初所过的生活其实只是一道防御屏障而已。
卢卡斯·卡尔泽尔饰演的阿尔弗雷德·格林瓦尔德——其实为何不能由尤利乌斯·布拉默来演呢?——以其节奏明快且妙趣横生的表演为整部剧注入了十足的活力。作为一名点击量不佳的失业轻歌剧歌手,在玛丽莎宣布Instagram上订婚之后,他试图借助她的粉丝数量来为自己谋利。于是他穿上轻歌剧中骑士的制服——行动开始。
他用最地道的轻歌剧式匈牙利语讲述自己是如何在Instagram上滑动浏览时,在那瓷砖铺就的“场地”里发现了“自己的”订婚消息。在生动地演绎了一番之后——我说过吧:这是一部脱衣轻歌剧——他的裤子也重新穿好了。他终于能够鼓起勇气提出那个美妙的请求:希望玛丽扎能陪他一起去瓦拉什丁。或者至少和他一起拍一段雷尔舞。
与此同时,最初的火花也开始迸发。因为玛丽扎带着她的“朋友们”一同前来。这些女士们对她的社交媒体很感兴趣——不过并非每个男士都对某位女士心动。
这些朋友中有一位是丽莎,也就是塔西洛的妹妹。塔西洛想筹措资金来完成自己的学业,于是便在背负着遗产债务的情况下,变卖了仅剩的财产。此外,他还在起步阶段从事了社会地位相对较低的职业——以假名担任管理员。
可以听到温柔的火花在噼啪作响。不过,这位在浪漫举止上堪称完美的轻歌剧养猪场主,起初主要利用这些火花来与玛丽扎一起提升自己的粉丝数量。由克劳迪娅·戈布尔饰演的丽莎则是一名前途光明的双博士学位研究生。不过作为恋人角色,她的表现显得有些过于拘谨了。实在让人难以相信他俩能有个圆满的结局。
还缺我们的波普莱斯库(马丁·阿赫赖纳尔)。他对自己信心满满,认为玛丽扎就是他的命中注定。在塔巴林夜总会的场景中,人们正举办一场以20世纪20年代为主题的派对,还有穿酒杯装的滑稽舞女登场;此时,他自信地脱下毛绒外套,让赤裸的上半身暴露在聚光灯下。而祖潘——这次倒没把裤子脱下来——也脱掉了燕尾服的衬衣。轻歌剧里总少不了色情元素。
但无济于事:玛丽莎的感情极为强烈。先是芭蕾舞演员们脱去了上衣,接着塔西洛和玛丽莎便倒在了地毯上。
波普雷斯库黑进了塔西洛的水果主题笔记本电脑。这次展示并未着重介绍公司;尽管庄园里有乳制品生产,但燕麦奶的呈现也相当出彩。在发送的邮件中,他找到了一封邮件,塔西洛在信中倾诉心声,从而显露出他做这一切都是为了丽莎。这虽然让玛丽莎暂时对男性世界产生了新的疑虑,但却丝毫没能帮助波普雷斯库取得进展。相反,他对玛尼娅的性侵犯行为彻底招致了玛丽莎的厌恶。具有毒性的男子气概终究无法赢得女性的青睐。
现在就只差“天降救星”了。她以博热娜姨妈的形象登场,由佩特拉·斯特拉瑟饰演,随行的还有她的男管家佩尼泽克(乔治·舒伯特)。两人奉献了一场精彩的滑稽剧表演。极具喜剧效果。简直精彩绝伦。
遗憾的是,这段表演篇幅太长,以至于长时间打断了主线剧情的发展。正因为这段表演太过出色,它的独立存在反而破坏了此前营造的紧张氛围。不过,如果最后该在一起的人没能走到一起,那这也就称不上是轻歌剧了。
音乐方面也相当成功。马里乌斯·布尔克特成功引导管弦乐团与合唱团进入了恰当的轻歌剧氛围。演唱也堪称完美。虽然我在理解文本内容时经常遇到困难。
芭蕾和合唱团的编舞也相当出色。埃娃玛丽亚·迈尔引导舞者们跳出富有张力且充满热情的舞步,与整部剧的风格相得益彰。
这是一场精彩的演出;尽管我有一些小意见,但它仍是我欣赏玛丽莎作品历程中的一个里程碑。